Weingut Robert Weil – das Riesling-Château Deutschlands

Nicht nur der stattliche Herrensitz unweit der schmucken Pfarrkirche macht einen Vergleich mit den berühmten Châteaux in Bordeaux so nahe liegend, das Weingut ist auch seiner Betriebsweise und Größenordnung mit diesen gut vergleichbar. Nicht zuletzt entstehen hier, wenngleich in anderen Mengen, mit die best bezahlten Weine Deutschlands, der Anteil der Süßweine beträgt immerhin gut 10%. Der Betrieb bewirtschaftet 85 Hektar Rebfläche, die sich in unmittelbarer Nähe des Weingutes befinden. „Da liegt keine Rebe weiter als einen Kilometer von uns weg, wir haben ausschließlich Riesling gepflanzt.“ so Wilhelm Weil, der Chef des Hauses. Rund 600.000 Flaschen können in einem normalen Jahrgang erzeugt werden, die Pyramide reicht hier vom Gutsriesling bis zum Ersten (Grossen) Gewächs bei den trockenen Weinen und von der Spätlese, über die Auslese bis zur Trockenbeerenauslese, dazu noch Raritäten im Bereich der Versteigerungsweine. „Es ist uns in den letzten 21 Jahren gelungen, kontinuierlich eine Trockenbeerenauslese zu ernten, und das hat ganz sicher Seltenheitswert,“ so Weil, „wenngleich die Mengen irgendwo zwischen 200 und 1200 ganzen Flaschen variiert.“ Davor hat es die TBA im Hause Weil nur in den großen, legendären Botrytisjahrgängen wie 1921, 1934, 1959, 1971 oder 1976 gegeben, diese zählen längst zu den gesuchten Meisterwerken der süßen Rieslingkunst.

Lage: Kiedricher Gräfenberg

Riesling Erstes Gewächs           

95
2009
Helles Grüngelb. Einladender gelber Pfirsich, ein Hauch von Babybanane und Honig, saftige Textur, wirkt rund und extraktsüße, zeigt noch einigen Babyspeck, auch im Abgang eine fast barock anmutende Steinobstfrucht, getragen von einer finessenreichen Säurestruktur, bleibt sehr lange haften, hat alle Anlagen zu einem großen Riesling. (Lagern/ +30)

93
2008
Helles Grüngelb. Frischer weißer Weingartenpfirsich, feiner Blütenhonig, frische Wiesenkräuter. Kraftvolle Textur, feine Säurestruktur, mineralisch geprägt, angenehme zitronige Nuancen, bleibt sehr gut haften, viel versprechendes Reifepotenzial. (Lagern/trinken +25)

95
2007           
Helles Grüngelb. In der Nase saftige Steinobstfrucht, feiner Blütenhonig, vielschichtig, einladendes Bukett, angenehme Mineralik unterlegt. Am Gaumen engmaschig, komplex, frische Struktur, sehr eleganter Wein, feine Steinobstfrucht im Abgang, balanciert, lange anhaltend, feinfruchtiger Rückgeschmack, wird seinem erstklassigen Ruf voll gerecht. (August 08)
Mittleres Grüngelb. Feine gelbe Steinobstanklänge, baut sich mit Luft im Glas so richtig auf. Finessenreich und präzise, sehr balanciert, tolles Säurespiel, angenehme Fruchtsüße unterlegt, feiner Würzenachhall, gute Länge, bleibt zart salzig haften, wird im Abgang immer länger, zitronig-animierender Touch im Rückgeschmack, sicheres Potenzial. (10/10) (Lagern +30)

92
2006
Mittleres Grüngelb. Eher verhalten, zarte Steinobstanklänge, ein hauch von Traubengelée, Quitten, zarter Schieferbodentouch. Stoffig, feine, seidige Textur, tänzelnd am Gaumen, besitzt eine gut eingebunden Extraktsüße, wirkt insgesamt noch etwas unentwickelt, ist im Moment verkapselt, kann sein ganzes Potenzial nicht ausspielen. (10/10) (Lagern +20)

93
2005
Mittleres Grüngelb. Kandierte Orangenschalen, ein Anflug von Blütenhonig, verführerisches Bukett, zart rotbeerige Nuancen. Komplex, saftige Tropenfrucht, gut eingebundene Restsüße, die stets präsent ist und noch die Mineralik überlagert, braucht noch mehr Reifezeit um sich zu vollenden. (10/10) (Lagern +30)

95
2004
Helles Grüngelb, rauchig, feinwürzig unterlegte Steinobstanklänge, zarte Tropenfrucht, zestige Nuancen. Komplex, süße gelbe Tropenfruchtaromen, elegant, mit einer feinen Säurestruktur unterlegt, besitzt großen Charme, feingliedrig und zu gleich vielschichtig, zeigt einen finessenreichen Abgang, zitronige Nuancen im Finale, sehr gute Länge, perfekt ausgewogen. (10/10) (Trinken/Lagern +25)

91
2003
Mittleres Gelbgrün. Feine Schiefernase, Anklänge von Grapefruit, Kokosraspeln, ein Hauch vollreifer Stachelbeeren, rauchige Mineralik unterlegt. Komplex, am Gaumen weich und elegant, von der Sonne des Jahres rund und opulent geformt, zeigt eine klare Süßedominanz, die Säure fehlt im Finish ein klein wenig, was sich auf die Länge auswirkt, heute bereits gut zu trinken. (10/10) (Trinken +10)

95
2002
Mittleres Grüngelb. Mineralische Nuancen, unterlegt mit Zitruszesten, rauchige Nuancen, Grapefruit und Kokos klingen an, facettenreiches Bukett. Feinfruchtig, frisch strukturiert, rassiges Säurespiel, sehr trinkanimierend, die dezente Restsüße ist sehr gut eingebunden, gute Länge mit saftigem Steinobstnachhall, verfügt über alle Anlagen eines großen Riesling, sicher unter den Jahrgangsbesten in dieser Kategorie. (10/10) (Trinken/Lagern +30)

92
2001
Mitteres Gelb. Im Bukett dominieren Noten von Traubengelée, Wiesenkräuter, gelbe Steinobstaromen. Zart rotbeerige Nuancen, etwas Ananas, stoffig-saftige Tropenfrucht, cremige Textur, eleganter Stil, ist zwar gefühlt trotz eines guten Säurekernes eher auf der süßeren Seite, dennoch sehr ausgewogen und ein herrlicher Speisenbegleiter. (10/10) (Trinken/ Lagern+20)

91
2000
Kräftiges Gelbgold. Feiner Blütenhonig, ein Hauch von Karamell, reife weiße Tropenfrucht unterlegt, zarte Botrytiswürze klingt an. Am Gaumen harmonisch, gelbfruchtige Textur, sehr sauber ausgestaltet, mittlere Säurestruktur, harmonisch, hat seinen Zenith bereits erreicht, wenn nicht sogar etwas überschritten. (10/10) (Trinken +10)

95
1999
Zartes Goldgelb. Feine Petrolanklänge, Nuancen nach Kokos, Orangenzesten, Minze, zart unterlegt mit Steinobstnoten, sehr attraktiver, präsenter, nahezu juveniler Duft. Feinwürzig, zart mit Anis unterlegte Pfirsichfrucht, Aranzini, hochelegante Textur, Nuancen von Grapefruit, mineralischer Touch, ungemein finessenreiche Struktur, frischer Nachhall, von einem zarten Botrytisanteil auf geschmeidige Weise bereichert. Wunderbar angereifter Rieslingklassiker, an dem man noch lange Freude haben wird. (10/10) (Trinken/ Lagern +20)
Im Teil 2 folgen die Notizen zu den TBA's......