Yquems trockener Bruder
„Y“ (Ygrec) – Rar, teuer und eigenwillig
Château d’Yquem erzeugt seit dem Jahrgang 1959 auch kleine Mengen von trockenem Weißwein aus den Sorten Sémillon und Sauvignon Blanc, den „Y“, der französischen Aussprache des Buchstaben entsprechend als „Ygrec“ bezeichnet. Die Sortenanteile variieren etwas nach den Jahrgangsgegebenheiten, in der Regel werden nicht mehr als 8.000 bis 10.000 Flaschen pro Jahr erzeugt. Dieser Wein kann jung getrunken werden, entwickelt aber oft erst mit einer gewissen Reife eine gute Balance. Immer kraftvoll, ist der Ygrec ein guter Begleiter für Gänseleber und Co. In der Jugend ist das neue Holz in der Aromatik oft sehr dominant und der Wein kann dann recht eindimensional wirken. Fazit: Aufgrund ihrer Herkunft (Château d’Yquem) und der limitierten Menge haben diese Weine einen recht stattlichen Preis. Man sollte diese Weine kennen und wirklich wollen, um dafür ernsthaft viel Geld auszugeben. Diese Weine kosten jung bereits über €100,- und der 96er ist mit mehr als € 200,- auch kein Schnäppchen.
88
2008
Mittleres Goldgelb, reifer gelber Apfel, zart feuchte Kräuterwürze, intensiv nach Bohnerwachs, etwas Hühnerbrühe. Stoffig, deutlich nach Karamell, deutlicher Alkohol, der noch nicht ganz eingebunden ist, und der auch im Finale dominiert.
92
2007
Mittleres Goldgelb. Intensive Stachelbeerfrucht, grasige Nuancen, frische Wiesenkräuter, feuchtes Heu. Kraftvoll, säurebetont, Nuancen von Rosa Grapefruit, mineralisch, salzig-bitter im Abgang, gutes Entwicklungspotenzial, kraftvoller Essensbegleiter.
87
2006
Mittleres Goldgelb. Sehr verhaltenes Bukett, zart nach Blütenhonig, feine Trockenkräuter. Mittlere Textur, gelber Pfirsich, karamellige Anklänge, etwas verwaschene Textur, zeigt wenig eigenständigen Charakter, mittlere Länge.
88
2005
Mittleres Goldgeld. Intensiver Blütenhonig, Lanolin, reife Nuancen, Botrytisanklänge. Wirkt am Gaumen etwas plump, rotbeerige Nuancen, viel Alkohol, deutliche Holzwürze, Akazienhonig im Nachhall, es fehlt an Strahlkraft, wirkt etwas fade.
90
2000
Kräftiges Goldgelb. Feuchtes Heu, etwas Möbelpolitur, mit etwas mehr Luft wieder nach Bohnerwachs, Kräuterwürze. Weich, überreifte Textur, cremig-süße Textur, gelbe Pfirsich-Tropenfrucht im Abgang, individueller Speisenbegleiter.
89
1996
Kräftiges Gold. Zart sherryhafte Züge, zeigt ein dezentes Manzanilla-Bukett. Saftig, gute Komplexität, eher süßes Finale, salzig und mineralisch, eigenwillig, aber interessant, jedoch insgesamt bereits inkliniert.
90
1980
Leuchtendes Goldgelb. Intensive Nase nach weißer Trüffel, facettenreich, saftige Tropenfrucht unterlegt, zarter oxidativer Charakter, gute Balance, mineralisch, ein spannender, individueller Wein, zarter Trüffeltouch im Abgang.