Weil Trockenbeerenauslesen sind fein....

Kiedricher Gräfenberg Teil 2

Am 14. Oktober 2010 fand in Wiesenbaden auf Einladung von FINE - Herausgeber Ralph Frenzel eine Verkostung von 21 Jahrgängen der kostbaren Trockenbeerenauslesen aus den Weingut Robert Weil aus Kiedrich im Rheingau statt. Erst wenige Wochen davor wurde eine einzige Flasche Trockenbeerenauslese Lange Goldkapsel zum Rekordpreis von mehr als € 5000,-  versteigert und wurde damit zur teuersten aktuellen Einzelflasche der Welt.

Riesling Trockenbeerenauslese

97
2009
Helles Gelbgold. Frische Steinobstanklänge, weniger von Botrytisanklängen als von saftiger Tropenfrucht im Bukett bestimmt. Ungemein primärfruchtig, zeigt eine klirrende Säurestruktur, enorme Frische, glasklare Stilistik, gelbe, süße Fruchtnoten im Abgang, sehr gute Länge, noch völlig unterentwickelt, aber sehr viel versprechend.

95
2008
Helles Gelbgold. Sehr frisches Bukett, nach Zitruszesten und erntefrischen Weingartenpfirsichen, feiner Blütenhonig. Elegante Textur, frische Steinobstfrucht, rassige Säurestruktur, sehr gute Balance zwischen stoffigen Restzucker und der lebendigen Struktur, salzig-mineralische Würze im Nachhall, insgesamt noch völlig embryonal.

94
2007
Mittleres Bernstein. Deutliche Botrytiswürze, tabakig unterlegte Dörrpflaumen, feine Kräuterwürze, feiner Honig mit mineralischem Touch. Wirkt noch etwas verwaschen, die Säurestruktur kommt noch nicht so zum Tragen, zeigt rotbeerige Nuancen im Abgang, braucht noch sehr viel Zeit.

96
2006
Mittleres Bernstein. Verhaltenes Bukett, einladende Dörrobstnote, kandierte Orangenzesten, Aprikosenfrucht, facettenreiche Aromatik. Konzentriert, rassige Säurestruktur, verspielte Aromatik, feine Steinobstfrucht im Abgang, finessenreich, sehr großes Zukunftspotenzial, präziser Stil.

95
2005
Helles Bernstein. Einladende Süße, Nuancen von Mandarinen, Orangen, sehr frisch und facettenreich. Saftiger Körper, ausgewogener, präsenter Säurebogen, zarte Acetonanklänge im Kern, mineralisch und salzig, zitroniger Nachhall, noch etwas unterentwickelt.

97
2004
Mittleres Gelbgold. Feiner Karamellanklang, zarter Blütenhonig, feine Kräuterwürze, Noten von Chartreuse-Likör und Lakritze. Rassig, besitzt eine immense Säurestruktur, feine gelbe Tropenfrucht klingt an, ein vibrierender Stil, sehr mineralisch, ein Wein von großer Spannung, besitzt enormes Zukunftspotenzial. Ein potenzieller 100-Punkte-Wein.

94
2003
Mittleres Gelbgold. Zart blättrig unterlegtes Steinobstkonfit, Nuancen von Feigen und frischen Datteln, zart flüchtige Noten. Komplex, sehr konzentrierte Textur, deutlicher Süßeschleier, cremiger Körper, finessenreiche Säurestruktur, wirkt aber alles in allem noch eine Spur unbalanciert, muss erst mit der Zeit zusammenwachsen.

92
2002
Helles Bernstein. Feine rauchige Nuancen, zarte Kräuterwürze, kandierte Orangenschalen, reife Steinobstanklänge. Am Gaumen saftig, süß und elegant, wirkt dank einer frischen Säurestruktur recht juvenil und lebendig, etwas schlanker, gut ausgewogen, eher im BA-Stil, bereits antrinkbar.

90
2001
Helles Bernstein, zart flüchtige Acetonnote, etwas Dörrobst und Honig unterlegt, zart nach gelben Steinobst, tabakig-würzige Nuancen, die fast ein wenig an neues Holz erinnern. Wirkt am Gaumen etwas schlank, die Süße ist gut eingebunden, gute Säurestruktur, insgesamt ein recht verhaltender Süßwein, eher eine TBA light, könnte man blind auch für eine Beerenauslese halten, eher etwas enttäuschend.

94
2000
Dunkles Bernstein, rötliche Reflexe. Intensive Botrytisanklänge, türkischer Honig, Feigenkonfit, etwas Nougat unterlegt, Chartreuse-Anklänge. Stoffig und süß angelegt, sehr rassige Struktur, auch am Gaumen ein fast schokoladig wirkender Stoff, mineralische Salzigkeit im Nachhall, ist noch ziemlich unterentwickelt, gutes Potenzial.

93
1999
Kräftiges Goldgelb. Deutliche Botrytiswürze, feine rotbeerige Nuancen, angenehme Dörrobstanklänge. Saftig, komplexe Textur, salzige Nuancen, wirkt opulent, etwas weitmaschig, der Restzucker dominiert, wirkt bereits gut ausgereift, gut antrinkbar, besitzt ein mineralisches Finish.

97
1998
Helles Gelbgold. Feine Kräuterwürze, Nuancen von Grapefruit, kandierte Orangenzesten, angenehme Honignote. Saftig, mineralische Anklänge, lebendige Säurestruktur, juvenil, bleibt lange haften, insgesamt etwas schlanker wirkender Stil, sehr delikat und zugänglich, bereits gut antrinkbar.

95
1997
Helles Bernstein. Ganz zart von flüchtiger Säure geprägt (bei dieser Art von Wein nicht negativ, hat konservierende Wirkung), mit etwas Luft dominieren Dörrpflaumen, Zitruszesten. Stoffige Textur, cremige Süße, die den Stil dieses Weinen bestimmt, zart nach Karamell, weich und seidig im Abgang, feine Pfirsichnote im Nachhall, zeigt noch einigen Babyspeck.

100
1996
Kräftiges Gelbgold. Starke, attraktive Würze der Edelfäule, intensive Anklänge von Quittengelée, Dörrpflaumen, Nuancen von Nougat. Ungemein komplex, enorme Frische, rassig, fast rotbeerig, jugendlich und vital, finessenreich strukturiert, feine Dörrobstanklänge im Nachhall, zitronige Anklänge, wohl schon sehr balanciert, insgesamt ein äußerst spannender Embryo, dem eine glanzvolle Karriere erst bevorsteht.

97
1995
Kräftiges Gelbgold. Intensive Botrytiswürze, reife Feigen und Dörrpflaumen, kandierte Orangenzesten in der Nase. Saftiger Körper, sehr vielschichtig, komplexe Süße, finessenreiche Struktur, salziges Finish, feine Steinobstnote im Nachhall, wirkt noch sehr jung, verfügt über einige Länge, großes Zukunftspotenzial.

95
1994
Kräftiges Gelbgold. Zart nach Orangenzesten, feiner Honig, reife Steinobstanklänge, facettenreiches Bukett. Cremig und rund, fast schokoladig wirkende Textur, mit einer frischen zitronigen Struktur unterlegt, salziger Touch, bleibt gut haften, feine Nuancen von Dörrfeigen, stoffig und lang, braucht noch Zeit, herrlich seidiger Zeit, ein Wein mit Riesenzukunftspotenzial.

98
1993
Mittleres Goldgelb. Vielschichtige Nuancen, Anklänge nach Grapefruitzesten, zarte Kräuterwürze, Chartreuse-Aromen, rauchige Nuancen, feine Dörrobstanklänge. Stoffige Textur, etwas Karamell, reifer gelber Pfirsich, opulenter Körper, sehr deutliche Restsüße, voluminös, ohne dabei plump zu wirken, saftig, süße Steinobstnote im Abgang, ein Wein, dem ewiges Leben garantiert ist, eher massiver TBA-Stil.

100
1992
Helles Bernstein, goldene Reflexe. Intensive Anklänge von starker Botrytis, Nuancen nach Röstkaffee, Dörrpflaumen, sehr facettenreich, unterlegt mit floralen Anklängen, Orangenzesten. Stoffig, sehr komplex, tiefe Fruchtsüße, Honigschmelz, ungemein finessenreich strukturiert, bleibt ungemein lange haften. salzige Mineralik im Abgang, toller Terroirextrakt, bleibt minutenlang haften, ganz großer Stoff.

93
1991
Helles Gelbgold. Zart flüchtige Nuancen, feines Dörrobst, Botrytiswürze, reife gelbe Steinobstanklänge. Zeigt eine mittlere Komplexität, wirkt etwas schlanker, es fehlt etwas der Druck im Finish, insgesamt frisch und ausgewogen, zugänglich, ist gemessen am Restzucker die „kleinste“ der Weil-TBA’s, finessenreich im Abgang, würde man eher als BA einschätzen. In diesem Jahrgang wurden nur sehr wenige TBA’s in Deutschland geerntet, wenn ich mich recht erinnere, gab es noch eine bei Ernie Loosen.

93
1990
Helles Gelbgold, zarter Wasserrand. Sehr frische, süße Fruchtnoten, Nuancen von Pfirsich, aber auch erntefrische Aprikosen, feine Blütenhonig, mineralischer Anklang. Finessenreich und komplex, ungemein frisch dank eine hohen Säurebogens, wirkt mit dieser Spannung fast trocken, feine Dörrobstanklänge im Nachhall, harmonisch und gut anhaltend.

98
1989
Mittleres Gelbgold, mit grünen Reflexen. Sehr attraktive Nuancen von süßem Quittengelée, feiner Honig, dazu frische Anklänge von gelben Ringlotten, zitronige Nuancen, rauchige Mineralik, facettenreiches Bukett. Am Gaumen saftige Fruchtsüße, cremige Textur, nerviges Säurekleid, im Gaumen intensive Botrytiswürze, deutlich von der präsenten Restsüße geprägt, große Länge, Dörrzwetschkenanklang. 

Weingut Robert Weil – das Riesling-Château Deutschlands

Nicht nur der stattliche Herrensitz unweit der schmucken Pfarrkirche macht einen Vergleich mit den berühmten Châteaux in Bordeaux so nahe liegend, das Weingut ist auch seiner Betriebsweise und Größenordnung mit diesen gut vergleichbar. Nicht zuletzt entstehen hier, wenngleich in anderen Mengen, mit die best bezahlten Weine Deutschlands, der Anteil der Süßweine beträgt immerhin gut 10%. Der Betrieb bewirtschaftet 85 Hektar Rebfläche, die sich in unmittelbarer Nähe des Weingutes befinden. „Da liegt keine Rebe weiter als einen Kilometer von uns weg, wir haben ausschließlich Riesling gepflanzt.“ so Wilhelm Weil, der Chef des Hauses. Rund 600.000 Flaschen können in einem normalen Jahrgang erzeugt werden, die Pyramide reicht hier vom Gutsriesling bis zum Ersten (Grossen) Gewächs bei den trockenen Weinen und von der Spätlese, über die Auslese bis zur Trockenbeerenauslese, dazu noch Raritäten im Bereich der Versteigerungsweine. „Es ist uns in den letzten 21 Jahren gelungen, kontinuierlich eine Trockenbeerenauslese zu ernten, und das hat ganz sicher Seltenheitswert,“ so Weil, „wenngleich die Mengen irgendwo zwischen 200 und 1200 ganzen Flaschen variiert.“ Davor hat es die TBA im Hause Weil nur in den großen, legendären Botrytisjahrgängen wie 1921, 1934, 1959, 1971 oder 1976 gegeben, diese zählen längst zu den gesuchten Meisterwerken der süßen Rieslingkunst.

Lage: Kiedricher Gräfenberg

Riesling Erstes Gewächs           

95
2009
Helles Grüngelb. Einladender gelber Pfirsich, ein Hauch von Babybanane und Honig, saftige Textur, wirkt rund und extraktsüße, zeigt noch einigen Babyspeck, auch im Abgang eine fast barock anmutende Steinobstfrucht, getragen von einer finessenreichen Säurestruktur, bleibt sehr lange haften, hat alle Anlagen zu einem großen Riesling. (Lagern/ +30)

93
2008
Helles Grüngelb. Frischer weißer Weingartenpfirsich, feiner Blütenhonig, frische Wiesenkräuter. Kraftvolle Textur, feine Säurestruktur, mineralisch geprägt, angenehme zitronige Nuancen, bleibt sehr gut haften, viel versprechendes Reifepotenzial. (Lagern/trinken +25)

95
2007           
Helles Grüngelb. In der Nase saftige Steinobstfrucht, feiner Blütenhonig, vielschichtig, einladendes Bukett, angenehme Mineralik unterlegt. Am Gaumen engmaschig, komplex, frische Struktur, sehr eleganter Wein, feine Steinobstfrucht im Abgang, balanciert, lange anhaltend, feinfruchtiger Rückgeschmack, wird seinem erstklassigen Ruf voll gerecht. (August 08)
Mittleres Grüngelb. Feine gelbe Steinobstanklänge, baut sich mit Luft im Glas so richtig auf. Finessenreich und präzise, sehr balanciert, tolles Säurespiel, angenehme Fruchtsüße unterlegt, feiner Würzenachhall, gute Länge, bleibt zart salzig haften, wird im Abgang immer länger, zitronig-animierender Touch im Rückgeschmack, sicheres Potenzial. (10/10) (Lagern +30)

92
2006
Mittleres Grüngelb. Eher verhalten, zarte Steinobstanklänge, ein hauch von Traubengelée, Quitten, zarter Schieferbodentouch. Stoffig, feine, seidige Textur, tänzelnd am Gaumen, besitzt eine gut eingebunden Extraktsüße, wirkt insgesamt noch etwas unentwickelt, ist im Moment verkapselt, kann sein ganzes Potenzial nicht ausspielen. (10/10) (Lagern +20)

93
2005
Mittleres Grüngelb. Kandierte Orangenschalen, ein Anflug von Blütenhonig, verführerisches Bukett, zart rotbeerige Nuancen. Komplex, saftige Tropenfrucht, gut eingebundene Restsüße, die stets präsent ist und noch die Mineralik überlagert, braucht noch mehr Reifezeit um sich zu vollenden. (10/10) (Lagern +30)

95
2004
Helles Grüngelb, rauchig, feinwürzig unterlegte Steinobstanklänge, zarte Tropenfrucht, zestige Nuancen. Komplex, süße gelbe Tropenfruchtaromen, elegant, mit einer feinen Säurestruktur unterlegt, besitzt großen Charme, feingliedrig und zu gleich vielschichtig, zeigt einen finessenreichen Abgang, zitronige Nuancen im Finale, sehr gute Länge, perfekt ausgewogen. (10/10) (Trinken/Lagern +25)

91
2003
Mittleres Gelbgrün. Feine Schiefernase, Anklänge von Grapefruit, Kokosraspeln, ein Hauch vollreifer Stachelbeeren, rauchige Mineralik unterlegt. Komplex, am Gaumen weich und elegant, von der Sonne des Jahres rund und opulent geformt, zeigt eine klare Süßedominanz, die Säure fehlt im Finish ein klein wenig, was sich auf die Länge auswirkt, heute bereits gut zu trinken. (10/10) (Trinken +10)

95
2002
Mittleres Grüngelb. Mineralische Nuancen, unterlegt mit Zitruszesten, rauchige Nuancen, Grapefruit und Kokos klingen an, facettenreiches Bukett. Feinfruchtig, frisch strukturiert, rassiges Säurespiel, sehr trinkanimierend, die dezente Restsüße ist sehr gut eingebunden, gute Länge mit saftigem Steinobstnachhall, verfügt über alle Anlagen eines großen Riesling, sicher unter den Jahrgangsbesten in dieser Kategorie. (10/10) (Trinken/Lagern +30)

92
2001
Mitteres Gelb. Im Bukett dominieren Noten von Traubengelée, Wiesenkräuter, gelbe Steinobstaromen. Zart rotbeerige Nuancen, etwas Ananas, stoffig-saftige Tropenfrucht, cremige Textur, eleganter Stil, ist zwar gefühlt trotz eines guten Säurekernes eher auf der süßeren Seite, dennoch sehr ausgewogen und ein herrlicher Speisenbegleiter. (10/10) (Trinken/ Lagern+20)

91
2000
Kräftiges Gelbgold. Feiner Blütenhonig, ein Hauch von Karamell, reife weiße Tropenfrucht unterlegt, zarte Botrytiswürze klingt an. Am Gaumen harmonisch, gelbfruchtige Textur, sehr sauber ausgestaltet, mittlere Säurestruktur, harmonisch, hat seinen Zenith bereits erreicht, wenn nicht sogar etwas überschritten. (10/10) (Trinken +10)

95
1999
Zartes Goldgelb. Feine Petrolanklänge, Nuancen nach Kokos, Orangenzesten, Minze, zart unterlegt mit Steinobstnoten, sehr attraktiver, präsenter, nahezu juveniler Duft. Feinwürzig, zart mit Anis unterlegte Pfirsichfrucht, Aranzini, hochelegante Textur, Nuancen von Grapefruit, mineralischer Touch, ungemein finessenreiche Struktur, frischer Nachhall, von einem zarten Botrytisanteil auf geschmeidige Weise bereichert. Wunderbar angereifter Rieslingklassiker, an dem man noch lange Freude haben wird. (10/10) (Trinken/ Lagern +20)
Im Teil 2 folgen die Notizen zu den TBA's......